Zusammenfassung der Google I/O 2016

Ja, ich weiß. Die Google I/O 2016 ist nun schon mehr als eine Woche her und ich bin ziemlich spät dran. Aber trotzdem möchte ich noch einmal eine kurze Zusammenfassung schreiben. 

Eines vorweg: Neue Smartphones, Tablets etc. gab es auf der diesjährigen Keynote nicht zu bestaunen. Dafür aber einen neuen Assistenten, zwei neue Messenger, Android N und vieles mehr.
Ich habe den Livestream verfolgt und stelle nun die wichtigsten Highlights dar. Ebenfalls werde ich jede Neuigkeit kurz bewerten.

Google Home – der digitale Assistent

Google möchte mit seinem neuen Sprachassistenten an Amazons Alexa anknüpfen. Beim ersten Ansehen habe ich das Aussehen des Assistenten direkt mit einer Vase verknüpft. Es sieht schlicht und schick aus – und kann auch eine ganze Menge. Ziel von Google Home soll sein, den Alltag zu erleichtern. Natürlich ist auch eine Anbindung für das „smarte Zuhause“ mit dabei. Mit dem Google Knowledge Graph betrieben startet das Gadget mit dem Code „OK Google“. Nun können direkt verschiedene Fragen gestellt oder Aktionen vorgegeben werden. Dies reicht von einfachen Aktionen wie „Wie wird das Wetter morgen?“ über Aktionen wie „Spiele Lied XY“ bis hin zu komplexeren Aufgaben, die aufeinander aufbauen. Außerdem ist es möglich, mit dem Device Einkäufe zu tätigen und mehr.
Einschätzung: Vom Prinzip her gefällt mir Google Home sehr gut. Bleibt nur abzuwarten, wie gut sich das Gadget im Alltag schlägt. Außerdem gehe ich davon aus, dass alle, oder zumindest die meisten Funktionen, zunächst der USA vorbehalten bleiben werden. Ich denke mit den richtigen Partnern hat Google Home definitiv das Zeug einen großen Teil zum vernetzten Zuhause beizutragen.

Google Allo

Google Allo ist der neue Messenger von Google. Aber er kann weit mehr als die Konkurrenz. Google Allo ist mit künstlicher Intelligenz ausgestattet. Im Prinzip funktioniert Allo wie jeder andere Messenger. Man kann sich Nachrichten schicken, Fotos und Dokumente versenden und seine Messages mit Emoticons und Stickern verschönern. Der große Unterschied ist die KI und die Anbindung an den Google Assistenten. So kann Allo beispielsweise Inhalte auf Fotos erkennen und bietet direkt Textvorschläge, sodass schnellere Antworten geschrieben werden können. Ebenfalls kann, sollten keine der Kontakte den Messenger nutzen, mit der KI geschrieben werden. Hier können, ähnlich wie bei Google Now, Fragen gestellt werden, die dann vom Bot beantwortet werden. Ähnlich wie Google Home können auch komplexere, aufeinander aufbauende Fragen gestellt werden. Für Google Allo ist kein Google-Konto nötig. Die Verifizierung und Verknüpfung erfolgt mittels der Handynummer. Allo bietet auch einen Inkognito-Modus bei dem alle verschickten Inhalte Ende-zu-Ende verschlüsselt sind. Außerdem können sich die Nachrichten nach einer bestimmten Zeit selbst löschen. Die App erscheint diesen Sommer und ist bereits im Play Store mit „Bald verfügbar“ gekennzeichnet.
Einschätzung: Vom Prinzip her finde ich Allo richtig gut. Es hat großes Potential, alleine wegen seiner künstlichen Intelligenz. Schade finde ich, dass die Chats nicht automatisch und dauerhaft Ende-zu-Ende verschlüsselt sind. Meiner Meinung nach zeigt das, dass Google mit den Daten der Nutzer doch einiges anfangen kann und möchte und dieser Modus den User nur „ruhigstellen/zufriedenstellen“ soll. Abzuwarten bleibt, ob Google Allo dem Platzhirschen WhatsApp einige Nutzer ablocken kann. Doch wahrscheinlich bleiben fast alle Nutzer bei WhatsApp, trotz der – oft sogar besseren – Alternativen. Aber auch wer keine Kontakte in Allo zum chatten hat, kann durch den Chat mit dem Bot seinen Alltag sehr erleichtern. Das einzig traurige ist das Vorhandensein einer neuen Messaging-App, nachdem es bereits Hangouts gibt, was nicht besonders gut angekommen ist. 

Google Duo

Neben Google Allo, was als reiner Messenger fungiert, hat Google auch noch Duo vorgestellt. Diese App beschränkt sich, ähnlich wie FaceTime auf iOS-Geräten, nur auf die Videotelefonie. Sie ist ausgelegt für langsamere Verbindungen und soll so auch unterwegs funktionieren. Praktisch – und zugegeben auch etwas amüsant – finde ich das Knock Knoch-Feature. Dabei sieht man, bevor der Anruf angenommen wird bereits ein Vorschaubild des Anrufers, sodass man schnell entscheiden kann, ob man mit dem Gegenüber in seiner Situation Kontakt aufnehmen möchte. Google Duo erscheint ebenfalls diesen Sommer und ist schon im Google Play Store gelistet, kann aber noch nicht installiert werden.
Einschätzung: Ich finde Google Duo ist eine gute Alternative zu anderen Videotelefonie-Apps wie Skype oder FaceTime. Allerdings verstehe ich nicht, warum Allo und Duo nicht einfach als großes Update in Hangouts integriert wurden. Denn Videotelefonie hat Hangouts ja auch von Anfang an an Bord. 

Android N

Viele, für den Endnutzer interessanten, Neuigkeiten hat Google auf der Keynote nicht enthüllt. Das an den Benachrichtigungen geschraubt wurde haben wir bereits durch die Previews gesehen. Ansonsten ging es viel um neue Funktion für Entwickler. Beispielsweise soll die Grafik-API Vulkan weiter verbessert werden um dem User ein besseres Spieleerlebnis zu vermitteln. Ebenfalls wurde an der Sicherheit geschraubt und es gibt weitere neue Features, wie die Multi-Window-Ansicht. Aber ich denke, dass auch noch nicht alle Funktionen veröffentlicht wurden. Google selber weiß ja noch nicht einmal, wie die neue Version des Betriebssystems heißen soll. Deshalb hat Google sich etwas neues ausgedacht. Und zwar kann auf dieser Seite ein Namensvorschlag abgegeben werden. Ob Google wirklich auf die Nutzer hört, bleibt abzuwarten.
Einschätzung: Ich denke bei Android N wird das Hauptaugenmerk nicht mehr auf neue Funktionen sondern eher auf hilfreiche Features für Entwickler gelegt. Allerdings dauert es bis zur endgültigen Veröffentlichung im Herbst diesen Jahres auch noch etwas, sodass noch die ein oder andere Überraschung auf uns warten dürfte – beispielsweise auch der finale Name der Version. Eine schöne Sache fände ich, wenn die Updates auch mal schneller ausgerollt werden würden. Aber da hat Google ja schon reagiert und möchte eine Liste einführen auf der einzusehen ist, welche Hersteller die Updates besonders langsam an die Kunden ausrollen. 

Google Play Family Library

Ähnlich wie bei Google Play Music sollen bald, insofern der Entwickler es zulässt, gekaufte Apps in der Familie geteilt werden können. So ist es nicht mehr nötig, die App für verschiedene Familienmitglieder neu zu kaufen. Ausgenommen davon sollen In-App-Käufe sein.
Einschätzung: Kurz und Knapp – Gefällt mir!

Android Apps auf Chrome OS

Achja, Android Apps sollen bald auch auf Chrome OS nutzbar sein. Damit verschmelzen die beiden App Stores mehr und mehr.
Einschätzung: Ich nutze Chrome OS nicht und deshalb interessiert es mich auch nicht sonderlich. Aber für diejenigen, die ein Chromebook besitzen und denen viele Apps gefehlt haben, dürfte die Ankündigung gefallen.

Android Instant Apps

Android Instant Apps soll das Nutzen verschiedener Apps ermöglichen, ohne diese auf dem Gerät installiert zu haben. Genutzt wird dabei eine Art WebApp. Websites werden demnach als mobile App dargestellt sodass verschiedene Funktionen besser und einfacher genutzt werden können.
Einschätzung: Einerseits finde ich es sehr praktisch, dass nicht mehr für jede kleine Aufgabe eine App installiert werden muss und so der interne Speicher verschont bleibt. Andererseits habe ich die Befürchtung, dass die dauerhafte Nutzung – trotz Beschränkung auf 4 MB pro Modul seitens Google – sehr stark das Datenvolumen beanspruchen wird. Und da Deutschlands Mobilfunkanbietern dem internationalen „Standard“ weiter hinterherrennen kann ich mein Datenvolumen auch für andere Sachen besser verwenden. 

Android Wear 2.0

Im Herbst diesen Jahres wird Android Wear ein großes Update erhalten. Neben Verbesserungen am Material Design gibt es auch einige neue Funktionen. Beispielsweise soll die Smartwatch ohne Smartphone mit dem Internet kommunizieren können. Ebenfalls soll es Smart Replies und eine handschriftliche Eingabe geben, damit auch Texte an der Watch verfasst werden können.
Einschätzung: Da ich Android Wear noch nicht getestet habe kann ich nichts über den momentanen Entwicklungsstand sagen und kann auch nicht beurteilen ob die neuen Features nützlich oder notwendig sind. 

Google Daydream

Google Daydream ist eine VR-Lösung. Sie soll in Android N integriert sein. Es soll auch eine VR-Brille erscheinen – diesmal allerdings nicht aus Pappe wie beim Cardboard. Bis jetzt weiß man noch nicht allzu viel über Google Daydream. Es soll öffentlich sein, sodass auch andere Entwickler es nutzen können und es soll das Nutzungserlebnis von Android N verbessern.
Einschätzung: Da ich bis jetzt noch keine Erfahrung mit VR gemacht habe kann ich zur „Realitätsnähe“ nicht viel sagen. Allerdings hört sich das Konzept spannend an und scheint einen echten Mehrwert, mindestens aber einen hohen Spaßfaktor zu bieten. 

 

So, das war sie. Meine Zusammenfassung der Google I/O 2016. Viele der vorgestellten Dinge sind ja noch nicht erhältlich, sodass die Zukunft zeigen muss, ob Google einen Schritt in die richtige Richtung gegangen ist. Bis jetzt hört es sich aber alles sehr sehr spannend an.
Hier seht ihr nochmal die Keynote vom 18. Mai 2016 in voller Länge:

 

Bildquelle: Google

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