Gigaset GS370 Plus – ein solides Mittelklasse-Smartphone mit Dual-Kamera?

Im heutigen Test erfahrt ihr, ob das Gigaset GS370 Plus sein Geld wert ist und mit den Konkurrenten von Samsung & Co. mithalten kann. 

Zugegebenermaßen ist Gigaset im Smartphone-Segment noch recht neu und relativ unbekannt. Dass sie aber durchaus das Zeug haben, mit ihren Gerät zu überzeugen, gerade wenn die Ansprüche nicht allzu hoch sind, lest ihr heute. Viel Spaß!

Zunächst einmal vielen Dank an Gigaset, die das Smartphone freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben. 

Lieferumfang

Das Smartphone wird in einer schlichten Verpackung in den Farben weiß und orange geliefert. Darin befinden sich neben dem Gerät selbst Kopfhörer, Netzteil, Ladekabel, sowie der übliche Papierkram und ein SIM-Eject-Tool.

 

Lieferumfang

Design & Verarbeitung

Das Smartphone macht beim ersten Anfassen einen sehr soliden und hochwertigen Eindruck. Was außerdem direkt auffällt: Das geringe Gewicht. Denn mit gerade einmal 145 Gramm ist es extrem leicht, was besonders in den ersten Tagen sehr ungewohnt war, nach kurzer Zeit hat man sich aber zunehmend damit abgefunden.
Der Aluminium-Unibody ist top verarbeitet, nirgends gibt es etwas zu meckern.
Auf der Oberseite ist der Kopfhöreranschluss zu finden, unten ist der microUSB-Ladeeingang, sowie rechts und links davon jeweils ein Lautsprecher untergebracht. Der Schlitten für die zwei SIM-Karten und die microSD-Karte ist auf der linken Seite zu finden, rechts oben hat die Lautstärkewippe ihren Platz und darunter ist der Power-Button untergebracht.
Physische Tasten sind von der Vorderseite vollständig verschwunden und wurden durch Soft-Key-Buttons ersetzt. Oben befindet sich die Hörmuschel, sowie die Frontkamera und diverse Sensoren.
Spannend wird es auf der Rückseite, wo direkt die Dual-Kamera oben links ins Auge fällt, rechts daneben ist der Blitz zu sehen. Im oberen Bereich ist außerdem noch der Fingerabdruckscanner angesiedelt.

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Wie eingangs erwähnt, muss sich das Smartphone in Sachen Verarbeitung keineswegs vor anderen Modellen verstecken, auch wenn mir zwei Kleinigkeiten eher weniger gefallen: Dazu gehört zuerst die Position der Dual-Kamera, da diese 1-2mm hervorsteht und das Smartphone im liegenden Zustand immer ein wenig „kippelt“. Des weiteren ist die Anordnung der drei Tasten auf der rechten Seite mehr schlecht als recht, da ich gefühlt bei jedem zweiten Anschalten die Lautstärke-Taste, anstelle des Power-Buttons erreicht habe. Wieso hier nicht einfach so wie andere Hersteller die Seiten strikt trennen: Links -> Lautstärkewippe | Rechts -> Power-Knopf?

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Display

Mit dem GS370 Plus wirft Gigaset nun erstmals ein Modell mit 18:9-Display auf den Markt, eine Eigenschaft, die ansonsten vor allem bei High-End-Geräten zu finden ist. Hierfür gibt es ein großes Lob, da dieses Displayformat einfach viel bequemer und zeitgemäßer ist und Inhalte so deutlich entspannter angesehen werden können, gerade beim Texte lesen auf einer Website.
Ansonsten misst das Display 5,7″ in der Diagonale bei einer Auflösung von 1440 x 720 Pixel. Während ich das gerade angesprochene Feature noch als „zeitgemäßer“ betitelt habe, muss ich beim Display an sich leider anmerken, dass eine solch geringe Auflösung alles andere als zeitgemäß und längst veraltet ist. Zwar ist das Display ok und Farben werden detailgetreu wiedergegeben, doch bei einer Größe von 5,7 Zoll darf man sich – auch bei einem Mittelklasse-Smartphone – deutlich mehr erhoffen.

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Software

In Sachen Software setzt Gigaset auf „Stock Android“ bzw. „Vanilla Android“. Eine eigene Benutzeroberfläche ist nicht vorhanden, das System lässt sich wie bei den Google-eigenen Pixel-Phones bedienen.
Dabei fällt es mir immer immens schwer, eine objektive Einschätzung zur Software zu geben, da diese meist Geschmackssache ist. In der Vergangenheit habe ich dank eines Nexus 4 die Reinheit von Android lieben gelernt, seit dem Galaxy S6 edge und Galaxy S8 kann ich aber auch den Benutzeroberflächen der hiesigen Hersteller vieles abgewinnen. Im Gegensatz dazu wirkt die des GS370 leicht steril und fremd.
Nichtsdestotrotz läuft das System ohne Ruckler und Aussetzer und die genutzten Animationen sind durchaus ansehnlich und passend integriert. Apropos Ruckler: Für ein ruckelfreies Erlebnis sorgt der verbaute MediaTek-Prozessor, der mit 8 Kernen und einer Taktfrequenz von jeweils 1,5 GHz daherkommt. Dem zur Seite stehen 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB interner Flash-Speicher, der erweitert werden kann. Neben der microSD-Karte stehen dem Nutzer ebenfalls zwei nanoSIM-Schlitten zur Verfügung, die parallel genutzt werden können – klasse!
Auch wenn sich mit dem SoC keine Bäume ausreißen lassen werden, erledigte er alle Aufgaben im Alltag schnell, zuverlässig und ohne Probleme. Das liegt nicht zuletzt an dem gerade erwähnten, großzügig ausgefallenem Arbeitsspeicher.
Einen persönlichen Kritikpunkt an Stock-Android muss ich dann aber doch noch loswerden: Das Menü, in dem vertikal gescrollt werden muss, gefällt mir überhaupt nicht. Hier bevorzuge ich die guten alten Seiten, die sich über horizontale Wischgesten aufriefen lassen.

Fingerabdrucksensor

Der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite ist meiner Meinung nach ideal positioniert, da er leicht zu ertasten und zu betätigen ist. Dabei reagierte er stets zuverlässig und extrem schnell, sodass man das Smartphone beim Herausziehen aus der Hosentasche direkt entsperren konnte. Geschätzt gab es bei höchstens einem von 30 Versuchen ein Problem, was meist an einem falsch aufgelegtem Finger lag.

Rückseite

Kamera

Schaut man sich die Rückseite an, hat man große Erwartungen an die Kamera, schließlich soll eine Dual-Kamera bei einem Mittelklasse-Smartphone schon etwas heißen und ein Angriff auf die Konkurrenz sein – denkt man zumindest. Leider hat sich dieser Eindruck nicht bestätigt, weshalb ich bei der Kamera wirklich ein wenig enttäuscht war.
Aber von vorne: Bei Tageslicht und guten Verhältnissen waren die Ergebnisse relativ akzeptabel, doch bei eintretender Dunkelheit wurden die Ergebnisse zunehmend schlechter und vor lauter Rauschen rückten die Bildelemente komplett in den Hintergrund. Gerade Gegenlicht war ein großer Gegner des verbauten Chips. Und die Dual-Kamera? Sie erweitert den Winkel der Kamera zwar um einiges, was echt beeindruckend ist, doch mit aktivierter Panorama-Linse wurde auch das Rauschen verstärkt.
Mit der Frontkamera war ich dagegen echt zufrieden, Selfies waren durchaus gelungen und auch Videotelefonie über Skype machte keine Probleme.

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Beispielfoto (mit Weitwinkel)
Beispielfoto (mit Weitwinkel)

Beide Fotos wurden von derselben Position zur gleichen Uhrzeit aufgenommen. Bitte beachtet, dass die Bildqualität online generell ein wenig schlechter ist. 

Akku

Bei meiner Recherche bin auf den Vorgänger, das Gigaset GS270 Plus gestoßen, was einen – Achtung, aufgepasst – 5000 mAh starken Akku (!) verbaut hatte. Vor diesem Hintergrund finde ich den Akku, der im Nachfolger zum Einsatz kommt und „nur“ eine Kapazität von 3000 mAh aufweist, extrem schwach. Für mich ergeben sich keine Gründe, mit denen ein solch starker Kapazitätsverlust gerechtfertigt wäre.
Unabhängig davon bin ich mit der Akkuleistung, mit der wir uns ja wohl oder übel abfinden müssen, zufrieden. Ich habe es locker durch einen Tag geschafft, am Abend musste das Smartphone dann aber an die Steckdose.
Auffällig war allerdings der extrem hohe Akkuverbrauch im Stand-By. Auch zu einem Zeitpunkt, bei dem relativ wenig Apps installiert waren und das Smartphone mal einige Stunden nicht genutzt wurde, ging der Akkustand rapide in den Keller – hier gibt es definitiv Punktabzug beim Fazit!
Außerdem fehlt leider Quick Charge und – was keineswegs schlimm ist, aber dennoch aufgefallen ist – der microUSB-Ladeanschluss (übrigens: Hier hätte man durchaus auf USB-C setzen können) ist „auf dem Kopf“ angebracht.

Multimedia (Kopfhörer und Lautsprecher)

Der Lautsprecher erfüllt seinen Zweck recht gut. Für YouTube-Videos, Telefongespräche mit Lautsprecher und Hintergrundmusik bei Spielen ist er ausreichend, laute Musik würde ich aber eher weniger damit hören – er ähnelt also 99% aller Smartphone-Lautsprecher.
Auch wenn ich bei anderen Reviews im Vorfeld oft von extrem schlechten Kopfhörern gehört habe, kann ich diesen Kritikpunkt absolut nicht nachvollziehen. Unter dem Aspekt, dass es sich um mitgelieferte Standard-Kopfhörer handelt, sind sie absolut in Ordnung. Ein Großteil der Nutzer würde sowieso keinen Unterschied zu besseren Modellen spüren, weshalb ich hier ohne schlechten Gewissens großzügig Punkte verteilen kann.

Fazit

Smartphone auf Gigaset.com kaufen.

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